Splitter #01 – Unflug

„Ich bin Federica. Fehlerhaft.
Ich bemühe mich. Regle das irgendwie.
Ich war nicht von Anfang an perfekt in meinem Regelwerk.
Ich habe mich selbst gecoacht, beraten und bestraft.
Es war ein steiniger Weg – mit Stolpern und mit Vorfällen,
die ich lieber Zufälle nenne.

Der Inhalt schien mir irgendwann sicher,
im Kopf mit Widerhaken verankert und tief eingesogen vom Papier.
Die Gedanken waren fein verdrahtet.
Ein stabiles Gerüst aus Vernunft und Akzeptanz.
Meine Grundregeln. Meine Verantwortung.

Mein Ringbuch.
Blätter, gehalten von Klammern mit kühlem Verstand,
fest verlötet an einen starken Rücken.
Zusammenhalt.
Blätter, die sich lösen ließen – nicht um den Inhalt zu hinterfragen,
nur um die Reihenfolge neu zu ordnen.

Ich musste eine Grundregel ein Stück weiter nach vorne schieben.
Ich hatte sie missachtet – und dafür bezahlt.
Ein Moment der Nachlässigkeit, geboren aus froher Laune –
und doch beinah zuviel für mein fragiles Gefüge.

Öffnung.
Der Wind fuhr durch mein Haar,
trieb Sand in meine abendmüden Augen.
Ich blinzelte – zu spät.
Die redlichen Seiten flatterten im Höhenflug.
Dann lagen sie da, zerstreut und verwirrt.

Zu viel Phantasie.
Falte dein Universum: Narrenkappe, Schiff und Flieger.
Himmelsleiter und Höllentor.
Mein loses Blattwerk braucht – Sicherheit.
Es darf nicht mehr geschehen.
Zurück zum Halt, zur Regel, zur Struktur.
Zu viel Phantasie.

Ich glättete die trotzigen Blätter,
die sich sich wandten, leise rebellierten.
Ich legte bleiernes Gewicht auf sie –
über Nacht, ein steter Druck.

Am Morgen kapitulierten sie dankbar,
es gab nur diesen einen Weg.

Die Ordnung war wiederhergestellt, die schützenden Stahlfedern schlossen sich mit einem metallischen Klick.“

Aus: Skizze zu Federica, 2021



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