15 Uhr am Sonntag. Verweilen und Schreiben in der Bücherei.
Nichts Besonderes? Doch!

Die lang ersehnte Wiederaufführung. Fast ein Jahr ist es her:
Am 30. Juni 2024 schloss die arg verwohnte und auf allen Ebenen renovierungsbedürftige Stadtbibliothek am Neumarkt ihre Tore. Das waren entbehrungsreiche Monate für mich. Zwar sind die oberen Etagen im Interimsquartier auf der Hohen Straße noch nicht fertig – irgendwann im Herbst, heißt es. Aber das, was ich jetzt wieder nutzen darf, ist fabelhaft.

Allenfalls an das stetige Raunen der Rolltreppen muss ich mich noch gewöhnen.

Mit Ohrstöbbeln zu arbeiten, kommt hier nicht in Frage. Ruhe und meine eigene Musik – die habe ich zu Hause. Hier schreibe ich inmitten der leisen Arbeitsgruppengespräche, dem Tastaturklackern und Blätterrascheln. Das volle Bücherleben live um mich herum.

Als ich feierlich verzückt das erste Mal in das neue Gebäude eintrat, spielte zumindest in meinem Kopf eine Fanfare. Hui … was es hier alles zu sehen gibt! Und alles so neu und doch vertraut. Was die Bücher wohl denken mögen … Die alte Notation bleibt. Aber sie wurden neu arrangiert, locken neue Leser an – und bleiben voller Stolz doch sie selbst.

Das Entree.
Sonderaufstellungen, was eben so anliegt. Eine herzerwärmende Fläche mit viel Böll. Dazu leichte Urlaubslektüre. Da die Belletristik noch nicht wieder zugänglich ist, findet sich hier zumindest eine kleine Sommerauswahl. Oder man lässt sich alles aus dem Lager holen, wie gehabt – online reservieren geht weiterhin gebührenfrei.

Das Rückgaberegal.
Sehr schick. Artgerechte Haltung für die Heimkehrer. Das Buch einstellen reicht. Die Regalwände haben keine Ohren, aber feine Sensoren. Wo bist Du gewesen. Ein bissl spät dran? Dann muss jemand dafür zahlen.

Bitte nicht in die Bücherkisten klettern.
Na klar. Ich will ja weder Ärger noch Eselsohren, keine Rückenschäden und keine Risse in den Einbänden.
Keine Einwände.
Aber mich tief hinein lehnen, mich in den Regalen einrollen und still seufzend genießen?
Ach nein – erwachsene Freude hat was mit Disziplin zu tun. Auch das Stofftier bleibt, wo es ist.

So. Was wollte ich noch, außer in Gedanken durch das Unerlaubte zu schlendern …
Ach ja. Schreiben.

Zuvor aber ein kleiner Nachklang zu einem gar feinen Kulturgenuss:
Klaus der Geiger, das Konzert zu seinem 85. Geburtstag.

Niemals aufhören. Niemals von seiner Geige lassen. Das war ein großartiges Konzert und ich bin sehr dankbar für den Abend mit dem unbeugsamen, aufrechten Menschenfreund. Jambolai!

Die Volksbühne – das ehemalige Millowitsch-Theater – ist eine würdig gealterte Institution. Ich mag den Raum, die betagten, wackeligen Stühle. Im Licht der Saalbeleuchtung einfach nur wunderschön. Und auch ein bissl lynchian, gell?

2 Antworten zu „Kleiner Kunstgriff”.

  1. creatively24ca51f82f

    Einfach bezaubernd.

    Ich fühle mich, als wäre ich dabei.

    Eine solche Bibliothek wünscht man sich auch hier.

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  2. creatively24ca51f82f

    Ein Mensch, der auch im Alter noch aktiv, nicht angepasst und agil ist, das ist auch mein Ziel.

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