Liebe Liv,

es wird dich freuen: Ich habe mit dem Durchpausen angefangen. Richtige, echte, ordentliche – existierende Karten.
Sicherheit spüren, meintest du. Danke, ja. Ich soll sie studieren, durch die Hintertür Fluchtwege aus meinen Hirngespinsten finden, nicht wahr?
Wie du sagtest, es ist ähnlich wie Mandalas ausmalen. Also ja, es hat mich beruhigt, und abgelenkt.
Kurzzeitig.
Also so anderthalb Meter lang. Mein Maßstab für Geduld!

Und ein Maßstab ist Willkür. Wer maßt sich da an, die Dinge in geordneten Verhältnissen zueinander darzustellen. Was zu klein und unbedeutend, wird der Existenz beraubt. Taucht niemals auf.
Welcher Maßstab, deiner oder meiner? Wie weit siehst du noch, wenn du die Augen vor der Realität verschließt. Was ist relevant. Autobahnen? Einkaufszentren?

Frag mal eine Hummel oder einen Regenwurm. Was ist dir wichtig?
Das Grüne, das Erdige.
Konkreter bitte: Wann würde das auf eurer Karte erscheinen. Was muss eine Landmarke, ein Baum, eine Blüte tun, um abgebildet zu werden. Was ist, wenn man kein Denkmal ist, sondern einfach nur lebt.

Maßstab ist Macht.
Ich will anderen Dingen dienen. Wichtig erscheinen mir Schienen, Bahnhöfe. Die Kormorane sehen das erwartungsgemäß anders.
Aber ich bin flügellahm, brauche die Mittel und Wege, um ans Ziel zu kommen.

An der Mole treffen wir uns. Das Wasser ist wichtig.
Die Küstenlinien.
Ich suche weiter. Es wird eh gleich dunkel.



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