Liebe Liv,

Du fragst nach Ziel und Richtung, trachtest sanft und beständig, Gericht zu halten über mich.
Hübscher Satz, nicht wahr? Ah, hübsche erste Sätze, erste Augenblicke. Weiterlesen, weiter sehen? Sekundenschnell wird das Urteil gefällt.

Recht so, sage ich. Und habe proaktiv etwas angerichtet.
Bekömmlich? Wird sich zeigen. Auf jeden Fall kein Utra-processed Food, UPF. No good food, for Nobody, und für HSPs sowieso nicht. Ja, hätte mir auch mal früher jemand sagen können. Der Arbeitskreis der DGE vielleicht, zuständig für die Architektur der Ernährungspyramide.

Da stehe ich im touristischen Zentrum der ergebnisoffenen Ratgeberwüste und schaue ehrfürchtig zu den Prachtbauten empor. Ernährungspyramide, Bedürfnispyramide, Plumpudding Castle. Also die dreieckige Burg mit den dreieckigen Türmen.

Ein feines Ensemble. Brauchen, Essen, Pudding. Habe ich alles schon des Öfteren besichtigt. Mich durchgefuttert. Ein sehr, sehr wissenshungriges Raupentier, das sich durch Buchdeckel fräst. Wenn es groß ist, will es ein flugfähiger Steinbeißer werden, der sich durchs Leben knurpselt und geflügelte Worte k… kommuniziert.

Wo war ich.
Die Richtung. Die Richtung braucht den Kompass. Einnorden, einordnen, den Blick in die weite Welt hinaus – egal wo dein Horizont ist. Egal auch, ob er eigentlich dringend erweitert werden müsste. Genug des traurigen Starrens auf die lahmen Füße. Auf Augenhöhe mit der Ferne und dann los. Gute Reise!

Die Ideallinie. Direkte Verbindung zwischen hier und dort. Doch dort ist kein Ort – und nie und nimmer das Ziel. Eher eine Bahnstation. Weltoffen – kein Verkopft-Bahnhof. Die Schienen führen weiter! Projektplanungsmenschen sprechen von Milestones, Stage Gates. Die guten alten Raststätten für tagesmüde Pilger. Proviant aufnehmen, Müll entsorgen. Eine geordnete Atempause. Richtung? Stimmt. Weiter.

Nein. Die Linie wird unscharf, die Zuversicht bekommt Löcher und blutet aus – punktiert durch Zwischen- und Zweifelsfälle. Seilschaften schwinden, Netzwerke verrotten. Allein, es geht ums Weiterkommen. Allein weiter.
Blockaden auf dem Traumpfad. Für alle Reisenden relevant – es sei denn, sie führen einen Bulldozer oder handzahmen Steinbeißer im Gepäck.
Tunnel sind Thema und der dazu gehörige Blick, im Augenwinkel glänzt ein Quäntchen Dunkelangst.
Marode und abgebrochene Brücken. Der schnellste Weg: ein beherzter Sprint durchs Tal der Tränen.
Erdrutschartige Erkenntnisse. Hack dir die harten Brocken klein, nimm ein paar klägliche Krumen Erfahrung mit.

Aber verlassen wir die Allgemeinplätze, wenden wir uns Individualreisenden und ihren gepflegten Glaubenssätzen – dem sich selbst im Weg stehen zu.

Ich skizziere für die Orientierung am Kartenrand:
Die Legende der immanenten, permanenten Hindernisse.

Rabbit Holes, unterspülter Asphalt, unterkühlter Rückhalt, moralinsaure Moore, faulpelzige Gasblasen, Luftblasen, feuchter Kehricht, Kleister, Plattitüden. Brainfog, Brainfuck, Bräsigkeit. Grübelschleifen, Zimtschnecken, klebrige rosa Puddingbrillen, Süßholzscheite, Scheiterhaufen, Scherbenhaufen – und die einst für andere gegrabenen, vergessenen Gruben.
Der Schattenfall.

Ja, ich drifte ab, tänzle am Wegesrand. Leise summend pflücke ich blaue Blumen.
Wegwarten wachen über dich, wenn du sie nur wachsen lässt. Hmm…

So, jetzt geht es aber Richtung Zielgericht. Voilá, ich zeige sie dir jetzt, die Karte. Dann haben wir das hinter uns. Und du siehst, dass das Ziel greifbar, sichtbar, fotografierbar – existent ist.

Ich hab sie am Rheinufer gefunden, beim Nature Journaling. Passt, gell?
Feuergeborenes Rätsel.
Die Insel.

Hinterlasse einen Kommentar

Angesagt